Auf Betreiben Bundeskanzler Konrad Adenauers und des Bundesverteidigungsministers Dr. Franz Josef Strauß spricht sich das Bundeskabinett in Bonn für die Aufrüstung der Bundeswehr mit taktischen Atomwaffen aus. Das Mißtrauen ist groß, dass auf den atomaren Schutzschild der USA kein Verlass mehr sei. Eine Erklärung führender Atomphysiker, der “Göttinger 18”, die sich gegen eine Verharmlosung der atomaren Bewaffnung ausspricht, hat vor allem an den Universitäten eine heftige Protestbewegung gegen die atomare Ausrüstung der Bundeswehr zur Folge. Diese Proteste prägen auch den Wahlkampf der Bundestagswahl von 1957. Der NATO-Beschluss vom Dezember 1957, atomare Mittelstreckenraketen und Sprengköpfe unter amerikanischer Kontrolle in Europa zu lagern, ist der Beginn des “Prinzips der nuklearen Teilhabe”. Er verhindert aber zugleich weitergehende Ambitionen der Bundesregierung.
Trotz des von der Diskussion über die atomare Bewaffnung geprägten Bundestagswahlkampfes verliert die SPD bei der Bundestagswahl 1957 deutlich und ist mit 1.218 (33,3 %) der Zweitstimmen in Haar nur noch zweitstärkste Partei nach der CSU mit 1.794 (49,1 %) Zweitstimmen. CDU und CSU profitieren massiv vom Bonus des Bundeskanzlers Konrad Adenauer, der durch diese Wahl in seinem Amt bestätigt wird.